Kolumne
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Bereue ich den Kaiserschnitt? – Friederikes Geburt

Bereue ich meinen Kaiserschnitt? Das habe ich mich in den vergangenen drei Wochen oft gefragt. Und ich muss ganz klar sagen, dass es genau die richtige Entscheidung für mich und #friediboomer (alias #mohntagsbaby, alias Friederike) gewesen ist und ich mir keine schönere Geburt hätte vorstellen können. (Achtung, langer Beitrag … aber mehrere Teile wäre irgendwie auch blöd!) ❤

Manchmal muss man, allen Ängsten und Stimmen von außerhalb zum Trotz, einfach auf seinen Bauch hören. Und mein Bauch hat mir ganz klar gesagt, dass der Kaiserschnitt für mich und für mein Kind die sicherste und angenehmste Form der Entbindung werden würde.

Versteh mich nicht falsch. Ich habe eine höllische Angst vor allen Dingen die mit Operationen, Krankenhäusern, Nadeln oder Wunden am eigenen Körper zu tun haben. Die Vorstellung bei vollem Bewusstsein auf einem Tisch zu liegen, während ein Arzt meinen Bauch aufschneidet, haben mich fast in den Wahnsinn getrieben. Ich konnte mir nicht vorstellen, diese Prozedur ohne Angst, Weinen und Panikattacke auf Panikattacke zu überstehen. Ich war der festen Überzeugung, Beruhigungsmittel zu brauchen oder am Ende doch nach einer Vollnarkose zu betteln, sobald mein Kind meinen Bauch verlassen hatte. Du kannst dir also vorstellen, wie überrascht ich war, dass sich alle diese Ängste und Sorgen nicht bestätigt haben.

Genau deswegen möchte ich diesen Beitrag heute auch dazu nutzen, um dir nicht nur von Friedis Geburt zu erzählen, sondern dir vielleicht auch ein wenig die Angst vor einem Kaiserschnitt zu nehmen. Denn nur für den Fall, dass es dir so geht wie mir, und du vor einer ähnlich schweren Entscheidung stehst, kann dir dieser Beitrag vielleicht etwas Mut machen.

Falls du dich übrigens fragst, wie ich diesen Beitrag schreibe, dann kann ich dir sagen, dass ich ihn nicht im eigentlichen Sinne schreibe, sondern ihn meinem iPad diktiere. Es lebe Google Docs und die Möglichkeit Text per Voice Diktat einzugeben.

Stell dir also vor, dass ich gemütlich eingekuschelt mit #friediboomer in unserem Bett liege, das wir kurzerhand zu einem multifunktionalen Ort der Gemütlichkeit und Bequemlichkeit umfunktioniert haben: mit Snackecke, Handarbeitsecke, genügend Platz für den Mann, zwei Katzen und einen Hund, die alle in Baby-Nähe kuscheln möchten, und natürlich Netflix auf dem iPad, wenn man mal was zum Abschalten braucht.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: dem Kaiserschnitt.

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Geplant und doch abgesagt

Eigentlich wäre #friediboomer schon am 15. Januar zu uns gekommen. Denn für diesen Tag hatten wir bereits einen Termin für einen Kaiserschnitt angesetzt. Lange hat es nämlich so ausgesehen, dass das Kind es sich dauerhaft in Querlage in meinem Bauch bequem macht. An eine natürliche Geburt, die ich mir zu diesem Zeitpunkt mehr als alles andere gewünscht habe, wäre in dieser Situation also nicht zu denken gewesen.

Kurz vor dem Termin hat meine Tochter sich dann aber noch dazu entschlossen, sich in Schädellage zu drehen, was für mich Grund genug war, den Termin für den Kaiserschnitt mit wehenden Fahnen abzusagen. Ich war mir absolut sicher, dass nun alles seinen natürlichen Weg gehen würde. Ich packte meine Tasche und war bereit für die Wehen … oder zumindest ein anderes Zeichen meines Körpers, dass es nun losgehen kann. Doch nichts passierte. 

Der Natur auf die Sprünge helfen – (k)eine gute Idee

Um den Termin abzusagen, musste ich natürlich noch einmal zur Kontrolle in die Uniklinik. Die Ärztin, die mich an diesem Tag untersuchte, war nicht sonderlich gut darin, ihre Sorge, dass mein Kind viel zu groß und viel zu schwer für eine natürliche Geburt sei, zu verbergen. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Gewicht meiner Tochter auf circa 4800 g geschätzt (Tatsächliches Geburtsgewicht: 4450g). Eine weitere Ärztin wurde hinzugezogen, es wurde nochmal geschallt … die Oberärztin wurde konsultiert … es wurde ein drittes Mal geschallt. Zur Beratung wolle man sich zurückziehen … na gut. Ergebnis: Je länger wir warten, desto unwahrscheinlicher wird eine natürliche Geburt. Na danke.

Da saß ich also, mit dem schwindenden Gefühl der Erleichterung über eine geglückte Schädellage und dem wachsenden Horror, dass mein Kind – wie die Ärztin betonte – stecken bleibt, sich die Schulter ausrenkt, man die notfalls brechen müsse usw.. Einleiten wäre doch eine gute Idee – vielleicht sogar schon heute?!

Mir schwirrte der Kopf und ich bat um ein paar Minuten Bedenkzeit. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich unbedingt natürlich entbinden und – begleitet von meiner wahnsinnigen Angst vor dem Kaiserschnitt – ging ich der Ärztin voll auf den Leim. Ich beschloss, nach Hause zu fahren, meine Sachen zu packen und am Tag darauf mit meinem Mann für eine Einleitung in die Klinik zu fahren. Doch je näher der Folgetag rückte, desto nervöser wurde ich. Mir kam es so vor, als würde ich meinem Kind die Räumungsklage auf den Tisch knallen – ein Ultimatum setzen, dass es ausziehen müsse … und das vor der Zeit? Natürlich ist der errechnete Geburtstermin auch nur ein vages Datum und kein bindender Termin, aber irgendwie hatte ich ein ungutes Gefühl bei der Sache. Ich badete an diesem Abend mit beruhigender Musik und ertappte mich dabei, dass ich weinend in der Wanne lag, und irgendwie das Gefühl hatte, mich (noch) nicht von meinem Bauch trennen zu wollen.

Entsprechend kurz war auch die Nacht und die Aufregung am Morgen danach. Wir fuhren mit einer Mischung aus Aufregung und Vorfreude in die Klinik, denn Einleitung klang nach: Zack … Kind da. Wir rechneten fest damit, unsere Tochter noch am selben oder am Tag danach im Arm halten zu können. Man … lagen wir da falsch.

Mir wurde ein Zugang gelegt … Aua! Und ich sollte mich entscheiden, ob ich das Wehenmittel in Form von Tabletten oder Gel verabreicht bekommen wollte. Ich entschied mich für die Tabletten.

Und … was soll ich sagen … die erste von wirklich vielen Tabletten zu schlucken, hat sich so unfassbar falsch angefühlt – fast so als wolle ich abtreiben. Ich kann Dir nicht sagen, wieso ich diesen Gedanken hatte, aber ich stellte mir vor, wie die Tablette zu wirken anfing und mein Kind diesem Wirkstoff ausgesetzt wurde, um es buchstäblich aus mir heraus zu zwingen … kein schöner Gedanke.

3 Tage vergingen, in denen ich mäßig bis gar nicht vor mich hinwehte. Die Kontraktionen waren nie stark genug, dass man es nicht auf die Nebenwirkung der Tabletten schieben konnte und am Abend des dritten Tages, an dem es mir körperlich und psychisch miserabel ging, besprachen wir uns ein letztes Mal mit den Ärzten. Nun hieß es plötzlich: Dann sind Sie eben noch nicht soweit. Dann warten wir, bis das Kind von allein kommen will. Sie sind ja auch groß, in Relation zu Ihrem Kind ist eine natürliche Geburt doch möglich.

Als die Oberärztin diesen Satz beendet hatte, platzte mir der Kragen: Ob sie nicht schon 3 Tage früher zu diesem Ergebnis hätten kommen können?! Dann hätte ich mir diesen Einleitungsscheiß ersparen können. Entnervt und leicht enttäuscht fuhren wir also wieder nach Hause zurück.

Rückblickend würde ich übrigens NIE WIEDER einleiten, nur um auf Biegen und Brechen eine natürliche Geburt zu erzwingen … natürlich ist das dann nämlich auch nicht mehr! Bereits angelaufene Wehen mit Medikamenten etwas auf die Sprünge zu helfen, ist eben doch etwas anderes, als einem Körper, der so gar keine Anstalten macht, entbinden zu wollen, plötzlich mit künstlichen Wehen zu konfrontieren.

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Und dann ging mein Körper die Knie

Circa zwei Wochen vor dem errechneten Termin spielte mir mein Körper dann einen besonders fiesen Streich. Beginnend an meinem Bauch, breitete sich eine sogenannte Schwangerschaftsdermatose aus, die sich langsam immer mehr Haut eroberte. Der Ausschlag, vergleichbar mit einer wirklich fiesen, extrem juckenden Nesselsucht, kroch von meinem Bauch auf meine Beine, meine Füße, meine Hände, Arme, meine Brüste und meinen Rücken. Tagsüber konnte ich Kleidung am Leib kaum ertragen, nachts kratzte ich mich im Schlaf blutig. Sämtliche Salben, Wickel und Tropfen, die ich bedenkenlos nehmen durfte, halfen nicht. Und nachdem ich, drei Tage über den errechneten Termin hinaus, das Gefühl hatte, wahnsinnig zu werden, fuhren wir wieder in die Uniklinik. Meine Lieblingshebamme hatte an diesem Tag Dienst und sie merkte augenblicklich, dass es mir nicht gut ging. Schon als sie herein kam, um mir das CTG anzuschließen, brach ich in Tränen aus und zeigte ihr schluchzend meine geschundene Haut. „Das kann so nicht bleiben, Liebes.“, sagte sie mit ihrer ruhigen, herzlichen Art. Sie drückte mich – was sich fast wie die Umarmung meiner Mama anfühlte – und holte die diensthabende Ärztin.

Die legte direkt wieder los mit: „Wir können doch einleiten. Dieses Mal mit Gel … und wenn sich der Muttermund nicht öffnet, dann kann man den doch mit einem Ballon aufdehnen.“ Ich saß dort, starrte vor mich hin und weinte. Hätte ich die Hebamme nicht an meiner Seite gehabt, hätte ich vermutlich einfach nur genickt. Aber sie spürte, dass mich die Situation überforderte und sagte: „Frau Homann, sprechen Sie das doch nochmal in Ruhe mit ihrem Mann durch. Gehen Sie noch mal eine kleine Runde spazieren und sagen Sie uns in einer halben Stunde Bescheid, was sie machen möchten.“ Ich war dieser Frau so dankbar dafür, dass sie mir eine Pause verschaffte, um Luft zu holen und Gedanken sortieren zu können.

Gemeinsam mit meinem Mann ging ich also alle Optionen durch … wieder und wieder und wieder, bis er sagte: „Eigentlich hast Du Dich doch schon entschieden. Du traust Dich nur nicht, es zu sagen, stimmt’s?“. Und tatsächlich hatte er recht.

Die inneren Dämonen bekämpfen

Ich wusste, tief, tief in meinem Inneren, was die richtige Entscheidung war: der Kaiserschnitt … und zwar ein geplanter Kaiserschnitt. Ich wollte es in diesem Augenblick nur nicht wahr haben, weil meine Ängste vor einer OP mich vollkommen übermannten.

Trotzdem war sie da… die Entscheidung … wie ein Leuchtturm inmitten einer tosenden See. Es war logisch, sicher, planbar … und trotzdem unfassbar furchteinflößend.

Nach einer tränenreichen Weile nahm ich die Hand meines Mannes, atmete tief durch und sagte:

„Die erste Einleitung hat nicht geklappt. Eine weitere Einleitung kann auch in die Hose gehen, das kann Tage dauern. Das will ich nicht. Ich will auch nicht mit abartigen Wehen da liegen, mir den Muttermund aufdehnen lassen und dann am Ende vielleicht doch als Notkaiserschnitt im OP landen, wenn Friedis Herztöne vielleicht schon schlecht sind … völlig entkräftet und mit den Nerven am Ende. Wohlmöglich darfst Du dann noch nicht mal mit rein und ich muss da allein durch! Im Leben nicht. Also: Wir machen einen Termin für einen Kaiserschnitt und bitten die Anästhesie, dass Du bereits beim Legen der PDA mit rein darfst. Wenn Du dabei bist, habe ich genug Kraft das zu schaffen.“

Gesagt getan … wir gingen zurück in den Kreissaal und vereinbarten den Termin bereits für den folgenden Vormittag … es lebe das Wochenende – ein ruhiges Wochenende… sehr selten. Wir ergatterten das letzte Familienzimmer, bestellten Pizza und schauten Harry Potter auf dem iPad. Wir kuschelten noch ein letztes Mal mit dem Bauch, um uns vom Babybump zu verabschieden, und schliefen erstaunlich gut bis zum nächsten Morgen.

Mein Mut wurde belohnt

Da ich nüchtern sein musste, beschloss ich, einfach nach dem Duschen so lange zu schlafen, bis ich an der Reihe war. Das funktionierte gut und half gegen Hunger und Durst. Gegen 11 Uhr wurde ich dann in den Kreissaal gefahren, ein Zugang wurde gelegt … aua… und wir bekamen die OP Kleidung.

Ich war überrascht, wie ruhig ich war. Ich musste weder weinen, noch brach die blanke Panik los. Aber … so dachte ich … was nicht ist, kann ja noch werden.

Die Zeit verging und meine Hebamme steckte immer wieder den Kopf durch die Tür, um uns zu sagen, dass es leider noch dauert. Insgesamt drei Not-OPs wurden vorgezogen. Allesamt Frauen, bei denen es nicht weiter ging. Also lag ich dort und fühlte mich mit meiner Entscheidung immer wohler, denn zum Glück blieb mir eine Not-OP nach stundenlangen Wehen erspart.

In der Zwischenzeit quatschte ich ein wenig mit ein paar Mamis aus dem Geburtsvorbereitungskurs via Whatsapp und erzählte, was mir so bevorstand. Und ich bin rückblickend so froh, dass ich das gemacht habe, denn zwei von ihnen schrieben mich direkt privat an und erzählten mir, dass die Einleitung mit Gel und Wehencocktail tierisch schief gegangen sei, inkl. niedriger Herztöne beim Kind, hastigen Entscheidungen usw. und sie den Notkaiserschnitt als extrem unangenehm empfunden hätten. Würden sie nochmal wählen können, würden sie sich auch für einen geplanten Kaiserschnitt entscheiden.

Natürlich weiß ich, dass jeder Körper und jede Geburt anders sind, aber mir haben diese beiden Unterhaltungen noch einmal eine Menge Kraft und ein gutes Gefühl für meine Entscheidung gegeben. Denn im Vergleich zu einem Notkaiserschnitt, wo es schnell gehen muss und wenig Platz für Ängste bleibt, war bei einem geplanten Kaiserschnitt nicht ganz so große Eile geboten.

In der Ruhe liegt die Kraft – Der Kaiserschnitt

Operierender Arzt und Anästhesistin stellten sich nacheinander vor und sprachen alles in Ruhe mit uns durch. Die Anästhesistin war sehr lieb und verständnisvoll – ohne lange zu zögern sagte sie: „Ihr Mann darf mit rein, wenn wir die PDA legen. Kein Problem.“

Ich wurde kurz danach in den OP gefahren und sollte mich auf den Tisch setzen, damit die PDA gelegt werden konnte. Die Anästhesistin erklärte mir ganz genau, was sie da machte und rückblickend betrachtet, war auch die PDA nicht sooooo „schlimm“. Trotzdem setzte in diesem Moment die Panik ein. Der Stich der lokalen Betäubung ging ja noch, aber ich merkte die Nadel der PDA noch seeehr deutlich. Ich hatte Angst mich zu bewegen und weinte, dass ich das noch als Schmerz und nicht als Druck spüren würde. Also wurde nachgespritzt … insgesamt dreimal wurde betäubt, bis ich plötzlich ein warmes Kribbeln im Po und den Beinen spürte. „Das muss so sein.“, sagte die Anästhesistin. „Das heißt, dass es wirkt. Haben Sie die Nadel denn noch gemerkt?“. Ich verneinte und war überrascht, dass das Taubheitsgefühl in den Beinen nicht etwa wie erwartet ekelhaft, sondern super angenehm war.

Ich wurde auf den Tisch gelegt, ein bisschen hin und her, hoch und runter gefahren, damit die Betäubung sich ausbreiten konnte und bekam dann direkt etwas gegen Übelkeit und für den Kreislauf gespritzt. Auch das war angenehm, denn obwohl es keine Beruhigungsmittel waren, wurde ich angenehm müde und entspannt. „Merken Sie das?“, fragten Arzt und Anästhesistin immer wieder, bis ich irgendwann sagte: „Was denn?“ „Ich habe sie mit einer spitzen Pinzette gerade fies in den Bauch gekniffen.“, sagte der Arzt und lachte. Denn ich sagte: „Was?! Wieso machen Sie denn sowas Gemeines?!“ Es konnte also los gehen. Ein Katheder wurde gelegt, der Vorhang wurde gespannt und die beiden operierenden Ärzte legten los.

Das Faszinierende an einer PDA ist, dass man zwar die Bewegung und Berührungen spürt, aber kein Schmerzempfinden hat. Es fühlte sich also die ganze Zeit so an, als würden man gestreichelt. Verrückt… aber angenehm.

Irgendwann sagte die Anästhesistin dann zu mir: „Jetzt geht das Ruckeln los. Nicht erschrecken. Ruckeln heißt, dass Ihre Maus gleich da ist.“ Aber selbst dieses Schieben, Drücken und Zerren war nicht unangenehm. Im Gegenteil. Ich musste lachen, denn ich erinnerte mich an eine gute Freundin, die sagte: „Stell Dir vor… so fühlt sich ein Wühltisch beim Schlussverkauf.“ Das teilte ich dann auch Ärzten und Anästhesistin mit, die allesamt herzhaft lachen mussten – natürlich alles im professionellen, die derzeitige Arbeit nicht beeinträchtigenden Rahmen. 😉

Ich fühlte mich sicher. Mit Uli zu meiner Rechten und der netten Anästhesistin an meiner Linken, die augenblicklich reagierten, wenn ich sagte, dass mir etwas schwindelig oder schlecht sei, hatte ich das Gefühl, dass mir nichts passieren kann. Immer wieder driftete mein Blick zum Fenster. Ich konnte Bäume, ein bisschen Himmel und gelegentlich ein paar Vögel sehen, die vorbeiflogen … ich fühlte mich richtig wohl.

Und irgendwann, zwischen Ruckeln und Schieben und einem saugenden Geräusch hörte ich sie dann … mein Mäusekind, meine Friedi. Das kleine Wunder, dass 9 Monate lang in mir herangewachsen war, tat allen lauthals kund, dass sie da war. Zack … Hallo … hier bin ich! Ich blickte zu meinem Mann, der bereits weinte und flüsterte: “ Das ist unser Kind … unser Mädchen.“ Und ich wollte nichts sehnlicher, als sie sehen und halten und kuscheln.

Gesehen habe ich sie allerdings erst, als sie schon sauber, untersucht und mit feschem Jersey-Mützchen zu uns zurück gebracht wurde. Ich glaube das lag daran, dass sie etwas gründlicher untersucht werden musste, weil Pechstuhl im Fruchtwasser war und sie etwas davon geschluckt hatte… ganz die Mama (das war bei mir damals genauso). Ein paar Mal rief ich: „Geht es ihr gut? Geht es ihr gut?“ Und ich hörte sie quaken und kreischen, bis die Anästhesistin sich über mich beugte und sagte: „Ein Kind, das so weint … dem geht es gut.“ Ich sank zurück auf die Liege und wartete, bis mein Mann plötzlich sagte: „Schau mal, wer da ist!“. Ich drehte meinen Kopf in seine Richtung und blickte in ein leicht zerknautschtes, grummelig dreinblickendes Gesicht. Das war meine Tochter… keine Frage! Endlich war sie bei mir, lag auf meiner Brust … so klein und weich und warm. Alles andere war mir in diesem Augenblick völlig egal!

Ich hatte übrigens damit gerechnet, dass sie eine dieser leicht hässlichen Wollmützen tragen würde und muss auch das scheinbar kund getan haben (wenn ich unter stärkeren Medikamenten stehe, quatsche ich ziemlich viel Mist). 😀

„Mäusekind … ich hab gedacht, Du kommst als Wollmaus zu uns, aber Du bist ja ein fesches Jersey-Girl.“ 

Yvonne Homann, Alleinunterhalter im Kreissaal …

Das Zunähen … der längste und gleichzeitig der Teil, vor dem ich die meiste Angst hatte, habe ich nicht mehr mitgeschnitten. Ich war vollkommen auf dieses kleine Wunder fixiert, das da auf meiner Brust vor sich hin döste.

Gemeinsam wurden wir in den Aufwachraum geschoben, ich konnte meine Zehen bereits wieder bewegen. Dort blieben wir eine Weile, dann ging es zurück auf Station. Ich erinnere mich daran, wie schön der Himmel draußen ausgesehen hat, als sie mein Bett durch den gläsernen Übergang auf die Geburtenstation geschoben haben und dass ein paar der Stationsschwestern, die ich noch von der missglückten Einleitung her kannte, mir fröhlich zuwinkten, als ich mit Friedi vorbei rollte.

Aber all das trat zurück, hinter dieses wunderbare Gefühl, das eigene Kind im Arm halten zu dürfen… ein kerngesundes, zufriedenes Kind.

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Mehr auf den eigenen Bauch hören

Der Tag nach der OP war anstrengend, denn ich musste direkt aufstehen … und das tat weh. Aber ich biss die Zähne zusammen und hiefte mich nach mehreren missglückten Anläufen doch noch aus dem Bett.

Mit jedem Aufstehen wurde es besser und die Schmerzmittel machten die ersten Tage absolut erträglich. Schon am dritten Tag hatte ich keine Narbenschmerzen mehr … nur einen fiesen Muskelkater im unteren Rücken. Aber auch der wurde schwächer mit der Zeit.

Ich fühlte mich gut. Ich fühlte mich wohl … und tatsächlich wurde mein Bauchgefühl, dass der Kaiserschnitt die richtige Entscheidung war, bei der Visite des operierenden Arztes noch einmal bestätigt.

„Jetzt kann ich es ihnen ja sagen: Gut, dass sie sich für einen Kaiserschnitt entschieden haben. Ihre Tochter hätte nie durch den Geburtskanal gepasst. Sie haben sich und ihrem Kind eine Menge Stress und Schmerzen erspart.“

Das hatte ich abschließend noch einmal gebraucht. Ich hatte richtig entschieden und meine Ängste besiegt … zumindest für die Zeit, die es brauchte, um meine Tochter sicher und gesund zur Welt zu bringen. Kein Geburtentrauma, keine schrecklichen Qualen während der OP, keine Panikattacken, keine Kind-ist-vertauscht-Verschwörungsparanoia – nur ein mulmiges Gefühl beim Blick auf den Verband. Aber als der endlich ab war und ich mit Hilfe eines Spiegels diese dünne Linie direkt über meinem Schambein betrachten konnte, die auch locker eine Hautfalte hätte sein können, fand ich auch das nicht mehr schlimm.

Für mich wird diese Narbe keine Narbe im eigentlichen Sinne, sondern immer die Tür zur Welt für meine Tochter sein. 

Und solltest Du vor der Entscheidung oder der Herausforderung Kaiserschnitt stehen, kann ich Dir nur sagen: Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn man sich darauf einlassen kann. Versuche es so angenehm wie möglich für Dich zu machen. Frag nach jeder Form von Unterstützung, die Du bekommen kannst, sprich mit allen Beteiligten – vor allem dem Personal – offen über deine Ängste, damit sie darauf eingehen können. Und lass Dir von einem riesigen Angsthasen wie mir gesagt sein, dass diese OP, dieser Kaiserschnitt, die schönste Erfahrung meines Lebens gewesen ist und ich immer wieder so entscheiden würde. ❤

Voice Diktat Outtake

Ein kleines „Schmankerl“ am Ende will ich Dir nicht vorenthalten. Denn während ich meinen Beitrag ins iPad gequatscht habe, hat unsere Katze Motte im Flur eine Packung Couscous geklaut… warum auch immer. Und da ich im Bett mit Kind im Arm ziemlich immobil war, habe ich meinen Mann alarmiert, was das iPad auch brav mitgeschrieben hat: „Natürlich kann dass die Katze klaut irgendwas Uli ich weiß nicht was frisst Motte Nein es liegt im Flur nein“

Ich lasse das zum Abschluss jetzt einfach mal so stehen und wirken 😉

(Ach ja… die schöne Kette, die mein Mann mir zur Geburt geschenkt hat, stammt übrigens aus der Alphabet-Collection von Frau Hölle.) ❤

6 Kommentare

  1. Liebe Yvonne,
    vielen Dank für deine ehrlichen Worte und das du uns an so einem intimen Moment teilhaben lässt. Ich selbst bin noch keine Mama aber meine Schwester hatte zwei sehr schlimme Geburten und beide waren letzten Endes Notkaiserschnitte. Bei dem letzten kam meine Nichte auf die Welt und hat erstmal nicht geschrieen aber das ist fast zwei Jahre her und die Kleine ist kerngesund. .. Nach diesen Horrorgeschichten und Erlebnissen meiner Schwester wünsche ich mir sehr, falls ich jemals das Glück haben werde Mama zu sein, dass ich mutig bin und offen über meine Ängste reden kann.
    Alles Gute für eure kleine Maus 👶
    Liebe Grüße
    Jessi

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Jessi. Danke Dir für Deinen lieben Kommentar. Das klingt wirklich nicht schön und ich glaube ich hätte nicht gewusst, was ich machen soll, wenn Friedi nicht losgequakt hätte. Umso besser, dass bei Euch jetzt alle wohlauf sind. Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen, dass Du eine schöne Geburt haben wirst … egal auf welche Weise. 😊 Liebe Grüße

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  2. Ich habe geweint beim Lesen. Weil ich mich für euch freue und meine eigenen Erinnerungen an den Notkaiserschnitt nach eingeleiteten Wehen wieder hochkam. Das war vor zwanzig Jahren. Ihr habt alles richtig gemacht. Alles Liebe und eine schöne Babyzeit.

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    • Oh Bettina! Ich hoffe es geht Dir jetzt gut? Ich habe gar nicht bedacht, dass mein Beitrag auch aufwühlen kann. Das tut mir leid. Wir genießen die Zeit auf jeden Fall. Viel Kuscheln und ganz langsam sowas wie einen Alltag finden 😊 liebe Grüße

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