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Urlaubstipp: Der Zoo in Kopenhagen | Zoo viel zu sehen

Irgendwann zwischen Stadtrundfahrt, Nationalmuseum und Tivoli ist auch der  Zoo auf unserer Kopenhagen-Bucketlist gelandet. Das Gelände ist riesig und wir haben tatsächlich zwei Tage benötigt, um uns alles anzusehen. Immer wieder sind uns Tierpfleger bei der Arbeit begegnet und man spürt das Herzblut, das in ihre tägliche Arbeit mit den Tieren und in die Gestaltung des Zoos geflossen ist. Wir durften sogar durch das Känguru-Gehege laufen, damit sie Menschen gegenüber mehr Vertrauen fassen und ich wurde beinahe von einer Giraffe geknutscht. Die schönsten aber auch die für mich traurigsten Momente habe ich für mich und für Euch in Bildern festgehalten …

Ein Bild möchte ich besonders hervorheben. Es ist der Grund, weshalb ich Zoos gegenüber ein gemischtes Gefühl habe. Aufgenommen habe ich es im Affenhaus, bei den Schimpansen. Während die Jungtiere gespielt und mit den Älteren gerauft oder geschmust haben, ist mir eine alte Schimpansin aufgefallen. Sie hat einfach nur dort gesessen und aus dem Fenster geschaut. Ob sie wirklich „traurig“ war, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber in diesem Moment war es schlimm für mich, sie so zu sehen, dass ich weinen musste. Ich konnte die innere Frage nicht abschütteln, ob sie versteht, dass sie die Welt, die sie hinter Glas sieht … die Bäume und das Gelände draußen, außerhalb ihres Hauses und des Außengeheges … nie erforschen kann – ob sie versteht, dass sie eingesperrt ist. Immerhin umfasst der Lebensraum von Schimpansen in freier Natur oft Waldgebiete von bis zu 50 km² – das Gebiet in Savannen ist meist sogar noch größer. Da kann ein Affenhaus wohl kaum mithalten.

Alte Schimpansin Kopenhagen Zoo

Noch einprägsamer als die Begegnung mit der Affendame war allerdings die Erkenntnis, dass die beiden Eisbären, die den Arktischen Ring im Kopenhagener Zoo bewohnen, vermutlich die einzigen und … schlimmer noch … die letzten Eisbären sind, die ich in meinem Leben sehen werde. Vermutlich wisst Ihr das längst, aber durch den Klimawandel wird die Arktis 2050 (!) in den Sommermonaten eisfrei sein. Das ist eine realistische Zahl, die wir alle noch miterleben werden. Die See braucht ja bereits jetzt schon länger, um festes Eis zu bilden, was bedeutet, dass die Eisbären … und betroffen sind vor allem Mütter und ihre Jungen … weitere Strecken schwimmen und länger warten müssen, bis sie Futter finden. Das Bild der ausgemergelten Eisbärin ging im September 2015 um die Welt. Manchmal schwimmen Eisbären tagelang, manchmal sogar ohne zu wissen, ob sie überhaupt festen Grund finden. Mütter verlieren auf diesen langen Strecken oft ihre Jungen, weil die Kleinen es nicht schaffen, mitzuhalten und ausgehungerte Eisbärenmännchen greifen immer öfter Jungtiere und Mütter an, weil sie nicht genügend Futter finden. Das geht auf unsere Kappe.

Den beiden Kopenhagener Bären beim Schwimmen und Tauchen zuzusehen, besonders im Unterwassertunnel war unglaublich schön. Die Bilder, die ich gemacht habe, wiegen jedoch besonders schwer, nachdem wir am darauffolgenden Tag im Planetarium den Film To the Arctic gesehen haben. Der Film zeigt in beeindruckenden Bildern das einzige zu Hause, dass die Eisbären je haben werden. Sie können nur dort überleben und wir machen es für sie unmöglich. Obwohl sie menschen- und kamerascheu sind, ist es Forschern gelungen, eine Mutter und ihre beiden Jungen für fünf Monate zu begleiten. Was sie erleben und was der Film zeigt ist in Worten kaum zu beschreiben. Es gibt nichts, was man daran schön reden kann: Wenn die Arktis 2050 in den Sommermonaten wirklich eisfrei sein wird … und versteht mich nicht falsch … wir können den Prozess „verlangsamen“, aber nicht mehr aufhalten … werden wir miterleben müssen, wie die Eisbären verschwinden. Dann werden Zoos der einzige Ort sein, an denen wir Eisbären sehen können.

Den Film kann ich Euch nur empfehlen. Er ist wunderschön, aber er macht auch sehr traurig:

Jetzt ist der Beitrag doch etwas ernster geworden. Ein wirklich schönes Ende für meinen Post finde ich wirklich nicht. Aber vielleicht braucht es das auch gar nicht …

Was denkt Ihr? Können Zoos sinnvoll sein? Ich bin unsicher und kann bei aller Schönheit, die ich dort gesehen habe und bei all der Hingabe, mit der die Pfleger versucht haben, den Tieren ein weitestgehend artgerechtes Leben zu bieten, den bitteren Beigeschmack nicht abschütteln. Oder glaubt Ihr, dass Zoos … und damit meine ich ausschließlich gut geführte, möglichst artgerechte Zoos … zu einer Art Arche werden können? Beispielsweise für die Eisbären?

 

 

 

5 Kommentare

  1. ein sehr wichtiges Thema, das du ansprichst. mir geht es ähnlich. ich bin seit Jahren in keinem Zoo mehr gewesen, nur in der kleineren Variante Heimattierpark, aber das ist ja ähnlich.
    es müsste uns eigentlich allen so etwas von klar sein, dass durch uns Menschen Tiere, ja ganze Landstriche verschwinden werden. meine bescheidene Meinung dazu ist, dass jeder auch noch so kleine Schritt in Richtung Umweltbewusstsein (wie weit man es eben fassen mag) ein wichtiger ist und es gar nicht so schwer ist, im Alltag ein klein wenig für die Umwelt zu tun. [das sind alles so Schlagworte – Umwelt etc.- es gäbe noch viel mehr zu sagen; aber ich möchte doch nicht dein Kommentarfeld spamen ;-)] liebe Grüße aus Südost!

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    • Ich freue mich sehr über Dein Feedback! Ich weiß genau was Du meinst und Du hast absolut Recht. Im Kleinen fängt es an. Ich ergänze mal … mit regionalen Produkten, Biolebensmitteln … zumindest die, die vom Tier kommen …, oder mal das Rad zur Arbeit nehmen. Leider ist das (noch) die Minderheit. Ich hoffe wirklich, dass wir wachsen. 🙂

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  2. ella wayfarer sagt

    Überzeugender Artikel!!! Allein schon wegen dem Wort hygge muss ich auch mal nach Dänemark (war noch niiieee da…). Wieder ein neues Wort gelernt. Erinnert mich an das hollandische gezellig, das ist auch so ein Lebensgefühl 😀 Liebste Grüße!
    ♡ Ella
    http://ellawayfarer.com/

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  3. Schöne Fotos!! Und gut geschrieben! Ich finde Zoo’s schon wichtig mit ihren Zuchtprogrammen, ABER die Haltungsbedingungen müssen stimmen! Leider ist es immer noch oft viel, viel zu wenig Platz…

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    • Ja, das stimmt. Kopenhagen hat stellenweise wirklich riesige Gehege. Die tasmanischen Teufel haben beispielsweise ein riesiges Gehege, das andere Bereiche sogar untertunnelt. Bei den Affen sind überall Außengehege, nicht nur bei den Schimpansen. Aber gleichzeitig sind diese Bereiche verhältnismäßig klein. 😕 Es wäre einfach schön, wenn Zoos sich nicht hauptsächlich über Publikumsverkehr finanzieren müssten, sondern mehr Unterstützung bekämen, um in artgerechtere Haltung und ggf. Auswilderungsprogramme zu investieren.

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