Kolumne
Kommentare 8

Kant(st) Du das? – Versuch eines kategorischen Imperativs

Erkennst Du Dich, wenn Du in den Spiegel schaust? Oder starrt Dir etwas entgegen, dessen Form Dir diktiert wurde? Etwas, das andere von Dir erwarten – von dem Du Dich überzeugen musstest, es sein zu wollen? Wenn Du die erste Frage mit einem (verwunderten) Nein und die anderen Fragen mit einem (zögerlichen) Ja beantwortet hast, dann ist es Zeit für eine philosophische Generalüberholung! Kant(st) Du das?

 

  1. Umgib Dich nicht mit Menschen, die Dich klein halten. Vertraue auf Dein Bauchgefühl. Gute Freundschaften und Beziehungen fühlen sich gut an. Sie fühlen sich richtig an. Sie verlangen Dir nichts ab. Und das gilt nicht nur für den einen Menschen oder beste Freunde, sondern für sämtliche Personen in Deinem Umfeld.

 

  1. Schau nicht weg! Schau hin – auch wenn der Anblick dessen, was Du siehst, unangenehm ist. Denke gerade dann darüber nach, was Du dazu beitragen und an welchen Stellen Du helfen kannst, damit es nicht mehr so schlimm aussieht. (Eine Multiple-Choice-Maxime, die zu vielen Szenarien passt … ^^)

 

  1. Stell Dir die Frage, ob das, was Du tust, Dich erfüllt. Mach Dich auf die Suche danach, wenn Du es noch nicht gefunden hast. Verwechsle Erfüllung nicht mit Erfolg! Die beiden verwechselt man heute viel zu oft! Sei Dir im Klaren darüber, dass Selbstverwirklichung auch in kleinen, anfangs unscheinbaren Dingen möglich ist! Wenn Du aber glaubst, dass es Dein Job ist, der Dich glücklich macht und für den Du Anerkennung und Wertschätzung erhältst, frag Dich umso mehr, ob Du dieselbe Wertschätzung und Anerkennung auch dann noch bekommst, wenn Du einmal nicht erfolgreich bist. Sobald Dein Glück sich über Erfolg und Misserfolg definiert, sobald Dir jemand das Gefühl gibt, trotz guter Leistungen nicht gut genug zu sein, ist es kein Glück mehr, sondern eine Abwärtsspirale durchs Spiegelkabinett, in der Leistungsdruck Deine Menschlichkeit verzerrt und alles trumpft – selbst Deine eigene Gesundheit.

 

  1. Wenn Du nachts wach liegst und Deine Gedanken Kreise um noch unerledigte Dinge ziehen, wenn sich Dein Magen bei dem Gedanken an diese unerledigten Dinge zusammenzieht und Dein Puls in die Höhe schießt, wenn Dein „Ich muss“ mit Deinem „die Anderen“ gemeinsame Sache macht, um Deinen Wunsch nach Entschleunigung und Ruhe zum Schweigen zu zwingen, vergewissere Dich, dass es manchmal kein Egoismus ist, zuerst an Dich zu denken, sondern Selbstschutz – handle danach.

 

  1. Stell Dir die Frage, wieso Du lächelnd eine 70-Stundenwoche in Kauf nimmst, wenn Du Deine Familie dafür nur noch beim Zubettgehen und kurz nach dem Aufstehen sehen kannst. Frag Dich, wieso Du krank, oder aus dem schönsten Urlaub heraus dem Blick ins E-Mail-Postfach Deiner Arbeitsstelle nicht widerstehen kannst und was Du dadurch verpasst. Frag Dich, wann Du verlernt hast, diese wichtige Grenze zu ziehen und zieh sie neu. Sei Dir im Klaren darüber, dass Du in Deinem Job – erfüllend oder nicht – zu jedem Zeitpunkt und zu 100% austauschbar bist – und dass die einzige Stelle, in der Du unersetzlich bist, die als Individuum, Partner, Elternteil oder Kind ist.

 

  1. Sag Menschen, die Du liebst, dass Du sie liebst. Sag es ihnen gerade dann, wenn sie es nicht wissen – auch wenn Du Angst davor hast. Lass Dich überraschen was passiert. Hör nicht auf Dein „man sollte“, sondern auf Dein Gefühl! Sag es ihnen noch viel öfter, wenn sie es bereits wissen! Nimm Liebe, die Du bekommst und die Du gibst, nicht als selbstverständlich.

 

P.s.: Sein wir ehrlich: Keiner der oben genannten Punkte erfüllt tatsächlich die Voraussetzung eines kategorischen Imperativs. Sie sind nicht aus reiner Vernunft, apriori, frei von jeglicher Erfahrung entstanden. Und vermutlich befriedigt dieses Zugeständnis alle entrüsteten Kantianer unter uns, die gerade schon dabei waren, den imaginären roten Fineliner zu zücken. Bei einem Versuch muss es also bleiben – aber versuchen sollten wir es! Vielleicht findest Du Dich zwischen den Zeilen wieder. Vielleicht kennst Du jemanden, dem es gut täte, das zu lesen. Vielleicht tut es Dir selbst gut, Dich zu fragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?

Kant(st) Du das?

8 Kommentare

  1. rundumblog sagt

    Ein wunderbarer Artikel. Wir sollten viel mehr auf unser Gefühl vertrauen und ja mir tat es gut zu lesen. Danke dafür 😀 liebste grüße julia

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Entschleunigung! Jetzt! Ich mach mit! | 9 geniale Tipps | Jules Moody | mohntage

Macht Lärm!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s