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Oversize Pullover stricken | So passt Du Strickanleitungen auf Deine Maße an

We are Knitters haben in einem Interview gesagt, Stricken sei das Yoga des 21. Jahrhunderts. Mein Hirn hat Folgendes daraus gemacht: Yoga … gelber Pulli … Post … Überschrift … Sonnengruß. Denn, die Sonne ist ja gelb und so 😀 Manchmal macht mein Hirn sowas. Besonders wenn es warm ist. Umso besser, dass man diesen Pulli aus 100% Seide auch an heißen Tagen tragen kann, obwohl in der Anleitung mit einem ziemlich dicken Garn (Merino Plus) gearbeitet wurde. Aber: Wenn man sich einmal dazu aufrafft, die elendige Maschenprobe zu machen, kann man jedes Garn auf jede Anleitung umrechnen. Und so geht’s:

Die Maschenprobe:

Egal was Ihr tut … tut Euch vor allen Dingen den Gefallen und macht die Maschenprobe. Ja, es nervt und ja, es dauert gefühlte Ewigkeiten, 10×10 cm zu stricken! Aber: Nur mit der Maschenprobe stellt Ihr sicher, dass Euer Strickstück die richtigen Maße hat und nicht zu klein oder groß wird.

Ich muss gestehen, dass ich mich ziemlich lange um die Maschenprobe gedrückt habe. Das Ergebnis war immer genauso frustrierend wie die Maschenprobe selbst :-). Denn die meisten Teile haben nicht gepasst. Meistens waren sie zu groß, da ich ziemlich locker stricke. Wenn also in der Anleitung 60cm Gesamtbreite angegeben sind, heißt das nicht, dass am Ende auch 60cm dabei herauskommen. 🙂

Rollen wir das Knäuel mal von hinten auf … (oder so ähnlich):

Tipp #1: Sei berechnend

Angenommen die Strickschrift spricht davon, 84 M anzuschlagen, um … sagen wir … 59cm Bund für einen Pullover zu erhalten. Nun strickt Ihr aber super fest oder super locker und ihr benötigt 10 M mehr oder weniger. Indem Ihr ausmesst, wie viele Maschen und Reihen 10 cm ergeben und das dann auf 1cm runterrechnet, könnt Ihr die Anleitung direkt auf Eure „Strickart“ anpassen.

Noch doller wird es, wenn Ihr mit einem fremden bzw. anderen Garn arbeitet. Ich hatte ein 100%-Seide-Garn von Lana Grossa mit einer Lauflänge von 90m auf 50g.  Das Originalgarn hatte allerdings eine Lauflänge von 125m auf 50g. Ich habe also gerechnet. Das mache ich ja soooo gerne.

Das Merino Plus Garn ergibt laut Maschenprobe in der Anleitung

20 Maschen = 10cm … 1 cm wäre dann 20 : 10 = 2 Maschen

28 Reihen = 10cm … 1 cm wäre dann 28 : 10 = 2,8 Maschen**

** Natürlich kann man 2,8 Maschen im Leben nicht stricken. 🙂 Das macht aber auch nichts, denn die 2,8 dienen als Rechenwert, nicht als tatsächliche Maschenzahl.

Im Vergleich dazu nehme ich jetzt mein Garn mit den 90m auf 50g.

Ich habe ausgerechnet, dass ich für eine Maschenprobe 10 x 10 cm 14 Maschen und 22 Reihen brauche, also 1,4 und 2,2 Maschen ergeben jeweils 1cm.

Und mit diesem Wert kann ich nun die einzelnen cm-Angaben in der Anleitung auf meine Maschenprobe meines Garns umrechnen.

 

Tipp #2: Mach ’ne runde Sache draus

Auf- und abrunden … das macht Ihr mit den ungeraden Zahlen Eurer Maschenprobe. Denn: Sagt Euch die Anleitung, dass Ihr auf eine Breite von insg. 59cm kommen sollt, müsst Ihr einfach nur die Gesamtlänge mit der Maschenzahl für 1cm multiplizieren:

59cm Gesamtlänge sind das Ziel. Ich weiß, dass 1 cm 1,4 Maschen sind, also multipliziere ich 59cm x 1,4 Maschen und komme auf 82,6 Maschen.

Soweit ein Erfolg. Nur was macht man mit den 0,6 Maschen?

Aufrunden. Wie in der Mathematik (… und ja, man wird besser im Kopfrechnen, je mehr man strickt) wird ab 0,5 auf- und unter 0,5 abgerundet. Wären es beispielsweise 82,3 Maschen würden wir es bei 82 Maschen belassen. Da es 82,6 Maschen sind, runden wir auf 83 Maschen auf.

Noch runder wird es bei der letzten Reihe. Da rechte Reihen immer eine Rückrunde benötigen, um vollständig zu sein, rundet Ihr bei letzten Reihen immer auf eine gerade Zahl auf bzw. ab. Angenommen Ihr müsst vor dem Abketten noch 43 cm stricken. Natürlich nehmt Ihr jetzt die 43cm mal 2,4 (Reihen) und landet bei 103,2 Reihen. Eigentlich würden wir jetzt einfach auf 103 Reihen abrunden. Da es die letzte Reihe ist, könnt Ihr entscheiden, ob Ihr auf 102 ab- oder doch auf 104 aufrundet. Mit Blick auf die Nahtzugabe würde ich immer empfehlen aufzurunden. Der eine cm macht die Kuh auch nicht fett.

Tipp #3: Auf Kante nähen? Och nö!

Solange Ihr nicht einen Raglanpulli vom Kragen bis zum Bund in Runden strickt, müsst Ihr die Einzelteile, die Euch von der Nadel hüpfen ja auch irgendwie zusammennähen. Ich bin, da ich mit den ganzen Tipps wie z.B. Matratzenstich und Zaubernaht nicht zurecht komme … vermutlich auch weil ich einfach zu ungeduldig bin … habe ich angefangen, alle meine Strickstücke mit der Maschine zu nähen … zumal die Nähte wirklich super schön gleichmäßig werden. Dazu bedarf es aber einer Nahtzugabe. Und die muss mit eingerechnet werden. Denn sonst kneift es doch wieder 😉

Mit einberechnen müsst Ihr die Elastizität des Garns. Wenig Polyester … beispielsweise 100%tige Baumwolle oder in meinem Fall Seide … ist ein guter Indikator dafür, dass die Wolle beim Tragen vermutlich ausleiern wird. Entsprechend könnt Ihr bei den Längenangaben 2-5cm abziehen und als Nahtzugabe verbuchen. Pullis und Tops dehnen sich ja immer ein bisschen beim Tragen.

Wollt Ihr, dass der Pulli oder das Top weiter und nicht eng am Körper anliegen, gebt cm dazu:

  • Locker/normal: 5-10 cm insg.
  • Weit 10-15 cm insg.
  • Oversize 15-20 cm insg.

Bei Ärmeln und Ellenbogen gebe ich immer so 2-5cm zu bzw. schnappe mir ein Maßband, wickle es um den Ellenbogen und beuge ihn. Spannt das Maßband nicht mehr, habe ich meine cm-Angabe, wie breit der Ärmel sein muss.

Tipp #4: Echt schräg!

Bei den Schrägungen … sei es Taille, Ausschnitt oder Ärmel … bin ich mir nie so sicher. Vielleicht lest Ihr ja den Beitrag und denkt Euch … hmmm… ich mache das nach Schema F und das funktioniert super gut 🙂

Wenn dem so ist, teilt Euer Schema F mit mir. Denn ich glaube es gibt einen „richtigeren“ Weg als mein Pi-mal-Daumen-Prinzip.

So here’s what I do: Ich rechne die Maschen, die abgenommen werden müssen in cm um und von den cm wieder in Maschen nach meiner Maschenprobe. Genauso mache ich das mit den Reihen.

Ich errechne mir so beispielsweise, dass ich laut Anleitung von 60cm Breite auf 65 cm Breite kommen muss und das innerhalb von 37cm Länge. Heißt laut meiner Maschenprobe also:

Ich muss von 84 Maschen auf 91 Maschen kommen und habe dafür 88 Reihen Zeit/ Platz. Ich müsste also 7 Maschen zunehmen. Da ich das meistens beidseitig tun muss, runde ich mal auf 8 Maschen auf. Und da beidseitig ein gutes Stichwort ist, weiß ich, dass ich nicht 2×8 Machen links und rechts zunehmen muss, sondern insg. 8 … also 4 links und 4 rechts.

Und da ich auch weiß, dass ich 88 Runden dafür Zeit habe, teile ich jetzt die 88 durch 4: Ich weiß also jetzt, dass ich in jeder 22. Runde links und rechts je eine Masche zunehmen muss und das insgesamt 4x. Dann komme ich auf die gewünschten 91 Maschen. 🙂

Unsicher bin ich mir bei der Verteilung der Abnahmen. Wenn da beispielsweise sowas steht wie:

1 x 2M, 1 x 3 M, 1 x 4 M usw.

Hier arbeite ich nach Pi-mal-Daumen-Prinzip. Ich rechne mir ungefähr die Länge aus, die abgenommen werden soll und verteile das dann ähnlich den Angaben in der Anleitung. Falls Ihr einen besseren Weg/Tipp habt, her damit. Denn der Pedant in mir schreit danach! 😀

 

Tipp #5: Arm dran …

Im besten Fall strickt Ihr Ärmel wie einen Trichter. Das Bündchen unseres Ärmels hat … sagen wir … eine Gesamtlänge von 21 cm aka 29 Maschen. Die Armkugel soll eine Breite von 30 cm haben. Wir müssen also von 29 Maschen auf 42 Maschen (30cm = 30 x 2,4 M) kommen. Dazu haben wir bei einer Ärmellänge von beispielsweise 26,5 cm 58,3 Runden Zeit. Da wir gleichmäßig zunehmen wollen, runden wir auf 58 Runden ab und teilen das Ganze durch 14. Wieso 14 fragt Ihr? Weil wir 14 Maschen zunehmen müssen um von 29 auf 43 Maschen zu kommen.

Und wenn wir 58 durch 14 teilen, kommen wir darauf, dass wir in jeder 4. Runde je 1M zunehmen. (58 : 14 = 4,12…) Es bleibt durch das Abrunden ein Rest von 2 Maschen (Gegenprobe 14 x 4 = 56 … 58 – 56 = 2). Diese zwei Maschen könnt Ihr irgendwo zunehmen … dort wo es gleichmäßig ist oder am Ende, für eine leicht breitere Armkugel.

 

Ich denke, wir haben alles abgefrühstückt, was Ihr braucht, um Anleitungen auf Garne oder auch ganz einfach Eure Größe anzupassen 🙂

Die Anleitung stammt aus dem Wolle Rödel Heft Neue Masche No. 6 .

 

Ich bin gespannt auf Euren Input. Macht Ihr das genauso? Habt Ihr eine andere, wasserdichte Methode oder Faustregel? Falls ja, her damit! Man lernt ja nie aus …

 

… namaste, knittaz!

 

 

 

 

 

5 Kommentare

  1. Super, dass das heute kommt. Ich will den Pulli, an dem ich seit drei Jahren ab und zu mal stricke, endlich fertig stellen. Es fehlen noch Ärmel und Kragen. Jetzt habe ich wieder Motivation. Danke! (Ich mache immer Pi mal Schnauze ohne Anleitung und am Ende kommt was ganz anderes heraus als ich dachte…)

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  2. Sehr schön geschrieben! Und ich mache es auch wie du, alles wird umgerechnet. Ich wasche meine Maschenprobe sogar 🙂 und bei den Schrägungen hänge ich auch immer. Abet was ich ganz toll finde…mit der Nähmaschine zusammen nähen, auf die Idee bin ich noch nicht gekommen. Wie groß ist denn der Stich und vor allem, mit wechem nähst du zusammen? Ich habe hier nämlich ein Teil, ist soweit fertig und müsste mir jetut auch wieder anhand Videos die passende Naht raussuchen.
    LG von KaDo

    Gefällt 1 Person

    • Hallo KaDo, danke für Deinen lieben Kommentar. Es kommt ganz auf die Wolle an. Wenn es ein wenig elastisches Garn ist, nähe ich die Teile mit einem ganz normalen, geraden Stich zusammen. Stichlänge zwischen 3-4. Wenn es sich um ein enges Teil oder elastisches Garn handelt, arbeite ich mit dem Stretch-Stich. Bei Mohair und anderen Fusselgarnen nehme ich wieder den geraden Stich und lege Seidenpapier darüber und darunter. Wie ein Sandwich und die Wolle ist in der Mitte. So bleibt die Nadel nicht hängen und das Seidenpapier kann man anschließend ganz einfach abrupfen. Ich habe dazu einen Beitrag: Gestricktes Nähen: Taming of the shrew. Da sind „Sandwich-Bilder“ 🙂

      Übrigens: Ein großes Kompliment an Deinen Blog. Ich finde es super, dass Du Dein Garn selbst herstellst. Das würde ich auch wirklich gerne einmal probieren.

      LG
      Anne

      Gefällt 1 Person

  3. Vielen lieben Dank! Aber Wolle kaufe ich auch 😉 ich habe in der letzten Zeit Farbverlaufswolle gewickelt, kommt auch bald ein Post. Aber nun muss ich etwas berichten. ..3 Tage habe ich überlegt wie ich meinen Poncho nur zusammen bekommen kann (die zusammen gefügten Seiten sind nämlich nicht die gleiche Strickrichtung) und was soll ich sagen, habe deine Sandwichmethode genommen. Es ist sooooo mega toll geworden, perfekter geht es nicht. Habe einen elastischen Stich verwendet . Ganz ganz tolle Nummer!!!!!!
    LG von KaDo

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    • Liebe KaDo. Was soll ich sagen? Ich freue mich sehr, dass das geklappt hat! Wenn Du magst, poste ein Bild vom Poncho und schick den Link. Ich bin sehr gespannt!

      Viele Grüße
      Anne

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